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Strahlende WLANs
DECT-Telefone sind als Dauerstrahler bekannt. Doch auch die Access-Point-Geräte für Wireless-LAN sind aufgrund gepulster Funksignale kritisch - eine Gesundheitsgefahr ist nicht ausgeschlossen.
Basierend auf dem letzten PC-Professionell-Vergleichstest von Wireless-LAN-Access-Points (siehe PC Professionell 7/2003, Seite 134), hat das unabhängige Institut Maes für Baubiologie und Umweltanalytik (www.maes.de) die Prüflinge auf mögliche Gesundheitsgefährdungen getestet. Dazu haben die Mess-Ingenieure die Produkte mit Spektrum-Analysatoren und kalibrierten Messantennen überprüft. Aus der von der Zeitschrift Ökotest (www.oekotest.de) beauftragten und PC Professionell vorliegenden Studie gehen sehr bemerkenswerte Fakten hervor.
So stellt jeder Access-Point, gleich welchen WLAN-Standards, einen Dauersender dar. Der Access-Point sendet ständig Funkimpulse mit einer Frequenz von 9,7 Hertz, auch wenn gar keine WLAN-Clients in der Nähe oder am AP angemeldet sind. Diese niederfrequente Strahlung wird von Experten als kritisch angesehen. Das dauerhafte Sendesignal ist technisch unabdingbar, da neu hinzugekommene Clients nur so mit dem Access-Point in Kontakt kommen. Steht die Verbindung, steigt die Frequenz während des Datentransfers auf mehrere hundert Hertz an.
Immer auf Sendung
Interessant sind auch die Strahlungsstärken im Leerlauf: die Werte für 802.11g-Geräte liegen bei einem Abstand von einem Meter zum Empfänger zwischen 1220 beim Belkin 54G und 1680 Mikrowatt pro Quadratmeter beim SMC 2804WBR. Dies liegt unterhalb der erlaubten Sendeleistung von 30 Milliwatt: diese Sendeleistung hat in einem Meter Abstand eine Strahlungsstärke von 2387 Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m2, zur Erläuterung siehe Kasten »Strahlungsstärke« auf Seite 47).
Mit 4200 µW/m2 liegt der Netgear WG602 über dem erlaubten Wert. Damit ist von einem dauerhaften Aufenthalt in direkter Nähe abzuraten: im Tierversuch öffnete sich laut einer 1999 veröffentlichten Studie die Blut-Hirn-Schranke bei einer Strahlungsstärke zwischen 1000 und 5000 µW/m2. Diese Schranke verhindert das Eindringen von mögIicherweise schädlichen Stoffen in das Gehirn.
Unbedenklich sind dagegen alle Geräte bei einer Distanz von fünf Metern zwischen Sender und Mensch. Dann sinken die Werte auf 45 bis 160 µW/m2. Die Belastung nimmt mit steigendem Abstand exponentiell ab.
Störfall Netgear HE102
Alle Negativ-Rekorde bricht der 802.11a-Access-Point Netgear HE102: laut Messung des Instituts Maes sendet das Gerät in der Werkseinstellung mit über 1000 Milliwatt (101 500 µW/m2). Da der Access-Point keine automatische Steuerung der Sendeleistung beherrscht, gilt der deutsche Grenzwert für 802.11a von 30mW oder 2387 µW/m2. Die gemessene hohe Strahlungsstärke ist einzig in den USA zulässig und für diese Region ist die Voreinstellung offensichtlich auch gemacht.
Nachjustieren erforderlich
Doch der Anwender kann die Strahlenbelastung verringern, um vorgeschriebene Grenzwerte einzuhalten. Netgear verweist auf das Kleingedruckte im Handbuch. Hier steht, dass über das Administrations-Interface der richtige Kanal auszuwählen ist (für Deutschland: Kanal 36, 40, 44 oder 48). Dann sinkt die Sendeleistung auf den erlaubten Wert. Allerdings verringert sich so auch die maximale Reichweite um über zehn Meter auf 25 Meter. Den kleinen weißen Beilagenzettel zum Handbuch werden aber nur wenige Anwender je studieren, da der HE102 nach dem ersten Einschalten funktionstüchtig ist.
Völlig praxisfremd ist das Drop-down-Menü zur Regelung der Sendeleistung: In vier Schritten kann zwischen voller und minimaler Leistung gewählt werden. Zum einen sagen die Menü-Bezeichnungen wie "quarter -6dB" nur den wenigsten Anwendern etwas. Zum anderen ist die maximale Sendeleistung nicht bekannt. Auf diese beziehen sich jedoch die Reduktions-Schritte. Die Leistung geht weder aus der Dokumentation hervor, noch liefert Netgear diese Information trotz mehrfacher Anfrage von Ökotest und PC Professionell bis zum Redaktionsschluss. Insofern nutzt eine Angabe wie "Reduktion um 6 dB" dem Administrator gar nichts.
Keine APs in Schlafzimmern
Obgleich keine Langzeitstudien über den Einfluss von WLAN-Strahlung auf den Menschen vorliegen, legen die Ergebnisse den bewussten Umgang mit der Technik nahe. So sollten Access-Points keinesfalls in Schlaf- oder Kinderzimmern aufgestellt werden, da die permanent abgestrahlten Funkimpulse sich eventuell schädlich auswirken. Weiterhin ist eine abschaltbare Steckerleiste zu empfehlen, mit welcher der Access-Point bei Nicht- Benutzen ganz abgeschaltet werden kann.
Ist ein Dauerbetrieb unvermeidlich, sollte der Anwender einen Abstand von mindestens fünf Metern zum Access-Point wahren. Eine geringere Distanz genügt bereits, wenn sich eine Wand zwischen Mensch und sendendem Access-Point befindet. (URI)
KNOW-HOW Strahlungsstärke
Die Strahlungsstärke oder auch Leistungsflussdichte bezeichnet die auf eine bestimmte Fläche einwirkende Sendeenergie. Da WLAN-Access-Points genau wie Mobilfunk-Netze gepulste Strahlung abgeben – wenngleich deutlich schwächer –, sind beide Techniken vergleichbar. Im Rahmen der Mobilfunk-Forschung erstellte Studien dienen so als Grundlage für die Einschätzung eventueller negativer Einflüsse der WLAN-Geräte.
Nach der Auswertung von 100 Mobilfunk-Gutachten schließt das Ecolog-lnstitut (www.ecolog-institut.de), dass eine dauerhafte Strahlungsstärke von 10 000 Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m2) das Reaktionsvermögen, die Gehirnströme oder die Blut-Hirn-Schranke beeinflusst.
Weiterhin gibt es Hinweise auf durch die Strahlung verursachte Erbgutschäden oder ein erhöhtes Krebsrisiko. Bei 16000 Mikrowatt pro Quadratmeter wurden bei Kindern bereits Störungen der Motorik und des Gedächtnisses nachgewiesen. Die 1996 abgeschlossene Studie an über 900 Kindern, die in der Nähe einer lettischen Militär-Radarstation leben, gilt allerdings als nicht umfassend genug.
Die Wissenschaftsdirektion des Europäischen Parlaments definiert im März 2001 Strahlungsstärken von bis zu 100 µW/m2 als unbedenklich. Der renommierte Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing (Universität Lübeck) liegt mit einer Empfehlung von 10 µW/m2 noch darunter. Die Landessanitätsdirektion Salzburg möchte gar nur 1 µW/m2 erlauben. Die Ökotest-Experten raten bei Überschreitung von 100 µW/m2 von entsprechenden Produkten ab. (URI)
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