Nachrichteninfo     

Quelle:

verschiedene
  Adresse: www.naila.de  
  Datum: 2004-07-24  
  Kategorie: Gesundheit  
  Index: 280  
       

Navigation     
  Zurück zur Themenseite
Hauptseite
 
Zum vorherigen Beitrag
nächsten Beitrag
Diesen Beitrag per Mail empfehlen
ausdrucken

Artikel
   

Naila-Studie erhärtet Krebsverdacht von Mobilfunk
8.500 Einwohner zählendes Städtchen Nähe Hof

1. Kurzinfo vom 22.7.04
2. Nachtrag vom 26.7.04
3. Pressemeldung
4. Aufarbeitung/Schattenseite 30.7.04
____________________________________

Vorweg gesagt, es war für Mobilfunkkritiker in der Frankenhalle des 8.500 Einwohner zählenden Städtchens in der Nähe von Hof eine Topveranstaltung !

Die vom ersten Bürgermeister Frank Stumpf unterstützte und moderierte Vortrags- und Diskussionsrunde hatte Interessengruppen aus ganz Bayern angezogen. Neben Vertretern von bayerischen Ministerien waren Kommunalvertreter, zahlreiche Bürgerinitiativen und mit Siegfried Zwerenz und Prof. Bucher auch prominente Mobilfunkkritiker mit von der Partie. Einen arroganten und fast peinlichen Auftritt hatte Dr. Krenzer als Vertreter des Landesamtes für Umweltschutz in Augsburg. Krenzer begleitet gewöhnlich als offizieller Beschwichtiger Mobilfunkveranstaltungen von T-Mobile. Er versuchte hartnäckig alle Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko von Mobilfunkbasisstationen im Keim zu ersticken.

Das Hauptreferat hielt der Sprecher der Nailaer Ärztegruppe Dr. med. Horst Eger. In einem optisch und inhaltlich beeindruckenden Vortrag führte er unter Einbindung von technischen Grundlagen und aktueller anderer Studien auf die Ergebnispräsentation hin.

Wissenschaftlich unterstützt wurde diese epidemiologische Studie von Prof. Frentzel-Beyme aus Bremen.

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die Einteilung der ausgewählten Personen in einen Bereich innerhalb von 400 Meter um die Basisstation und einem Bereich ausserhalb (ca. 400 bis 1000 m).

Die Ergebnisse und die studienbegleitenden Informationen sind der offiziellen Pressemitteilung der Ärtzegruppe um Dr. Eger zu entnehmen:

"Im Anschluss an die Aufforderung des Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, an alle Ärzte aktiv an der Abschätzung des Risikos durch Mobilfunkstrahlung mitzuarbeiten, war das Ziel dieser Untersuchung zu prüfen, ob die Anwohner von Mobilfunkbasisstationen einem erhöhten Risiko für Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren ausgesetzt sind.

Datengrundlage waren PC-gespeicherte und mit den Krankenkassen abgerechnete Patientenunterlagen der Jahre 1994 bis 2004. In die ohne Fremdmittel erstellte Studie wurden Angaben von 967 Patienten unter Wahrung des Datenschutzes aufgenommen. Die Fortführung in Form eines Register ist geplant.

Als Ergebnis zeigte sich, dass der Anteil von neu aufgetretenen Krebsfällen bei den Patienten, die während der letzten zehn Jahre in einem Abstand bis zu 400 Meter um die seit 1993 betriebene Mobilfunkbasisstation gewohnt hatten, gegenüber weiter entfernt lebenden Patienten signifikant höher war und die Patienten waren in durchschnittlich acht Jahre jüngerem Alter erkrankt.

Für die Jahre 1999 bis 2004 - also nach fünf Jahren Betriebszeit des Senders - hatte sich das relative Risiko an Krebs neu zu erkranken, für die näher an Sendestation lebende Bevölkerung im Vergleich zu der Gruppe im Nailaer Aussenbereich verdreifacht.

Das Konzept dieser Pilotstudie ist einfach und jederzeit an all den Orten wiederholt werden, die jahrelang relativ isoliert von einer Sendeanlage bestrahlt werden.

Die Ärztegruppe vertraut auf die Handlungsfähigkeit der Behörden, mit Hilfe grosser epidemiologischen Studien - nicht nur in Naila - das Risiko für die Gesamtbevölkerung sicherer abzuschätzen.

An der Studie beteiligt waren folgende Ärzte in alphabetischer Reihenfolgen: Horst Eger, Klaus Uwe Hagen, Birgitt Lukas, Peter Vogel, Helmut Voit."

Der Vortrag kann als CD-Rom von der Stadt Naila zum Preis von 10 Euro bezogen werden.

Author: Joachim Weise, Baubiologe (IBN)

http://www.baubiologie-regional.de
_______________________________________________________
Nachtrag von Joachim Weise, 26.7.04:
_______________________________________________________

In meinem ersten Bericht aus Naila vom 22.7. ging es mir um Schnelligkeit und Aktualitaet, deshalb hatte ich fuer die Zeilen eine Nachtschicht eingelegt.In der rund 3-stuendigen Veranstaltung gab es noch einige andere interessante Aussagen, die ich hiermit nachreichen moechte:

Der Vertreter der oertlichen Buergerinitiative, Thomas Soell, gab eine enttaeuschende Vorstellung. Wenn jemand sich mit den Worten "... eigentlich sind wir ja nicht gegen Mobilfunk ..." auf die Schleimspur begibt, dann braucht er m.E. gar nicht anzufangen.

Gepraegt wurde die Diskussion am Abend durch den Disput zwischen Dr. Eger (Aerztegruppe) und Dr. Krenzer vom Landesamt fuer Umweltschutz. Dr. Eger war erstaunlich sattelfest und konterte fast alle Angriffe des "oeffentlichen Umweltschuetzers" aus Augsburg.

Krenzers Hauptangriffspunkt ist das seiner Meinung nach nicht-wissenschaftliche Vorgehen bei dieser Studie und auch bei der Studie Adlkofers. Bevor die Oeffentlichkeit informiert wird, sollten die Ergebnisse wissenschaftlichen Fachleuten zugaenglich gemacht werden. Dr. Eger erwiderte, dass er dies mehrfach versucht haette, nur wollte die Studie keiner haben ...

Krenzer verwies weiterhin auf das Forschungsprojekt des BfS mit 17 Mio Euro hin, davon 50% von den Betreibern. Siegfried Zwerenz stellte daraufhin klar, dass sich sowohl Prof. Maier aus Mainz als auch Prof. Frentzel-Beyme mit Projekten angemeldet haetten und nicht berücksichtigt wurden ...

Dr. Eger stellte die Frage, warum denn die REFLEX-Studie nicht von einem anderen Forscherteam kurzfristig wiederholt werden koennte. Der Forschungsaufbau ist dermassen transparent und nachvollziehbar, dass dies jederzeit moeglich waere. Nach Egers Angaben wuerde dies lediglich 60.000 Euro kosten. Krenzer fragte dann, wer das bezahlen solle ... und erntete schallendes Gelaechter der rund 500 Teilnehmer. Eger verwies weiter daraufhin, dass auch die Rattenstudie von Saalford jederzeit wiederholt werden koennte ...

Zu Veranstaltungsbeginn stellte Krenzer die Ergebnisse der Hochfrequenzmessung vom Montag, 19.7. vor. Auffaellig hoch waren die Werte im Gymnasium nahe am Sender. Im Klassenzimmer der 8a ergab sich ein Messergebnis von 2,5% des deutschen Grenzwertes. Nach meiner Umrechnung habe ich 2.924 Mikro-Watt/m2 ermittelt. Damit ist der gemessene Werte immerhin 290 mal hoeher als der baubiologische Vorsorgewert von 10 Mikro-Watt je m2. Von Krenzer kam aber keinerlei Warnhinweis oder eine sofortige Sanierungsanordnung. Ich habe inzwischen den Buergermeister von Naila schriftlich auf die unertraegliche Situation aufmerksam gemacht.

Der zweite Buergermeister von Weissenbrunn in Oberfranken wollte wissen, wie das Risiko von WLAN einzuschaetzen sei. Dr. Krenzer stufte das Risiko bei WLAN etwas geringer als DECT ein. Daraufhin trat Prof. Buchner aus Muenchen auf den Plan. Der OeDP-Mann stuft WLAN als Verbrechen an der Menschheit ein. Durch die unmittelbare Naehe des Senders im Laptop zu den Nutzern entstehen Strahlungsbelastungen, die unweigerlich zu Schaeden fuehren muessen. Buchner forderte dazu auf, WLAN in Schulen nicht einzufuehren.

Die Veranstaltung in Naila fand ein relativ gutes Presseecho. Der Nordbayerische Kurier berichtete im ueberregionalen Teil ausfuehrlich. Das Bayerische Fernsehen brachte am folgenden Abend (Donnerstag) in der Sendung "Quer" zur besten Sendezeit einen aktuellen Bericht aus Naila und interviewte anschliessend Prof. v. Klitzing im Studie. Von Klitzing brachte in seiner bekannten Art die Dinge kurz und buendig auf den Punkt.

J.W.
__________________________________________________

Pressemitteilung

Die Naila Studie

Eine 10 Jahres Erhebung

Zwischenbericht 20.07.2004


Teilnehmende Ärzte in alphabetischer Reihenfolge
Drs. med. Horst Eger, Klaus Uwe Hagen, Birgit Lukas, Peter Vogel, Helmut Voit

Im Anschluss an die Aufforderung des Präsidenten des Bundesamtes für Strahlungsschutz, Wolfram König, an alle Ärzte aktiv an der Abschätzung des Risikos durch Mobilfunkstrahlung mitzuarbeiten,
war das Ziel unserer Untersuchung zu Prüfen, ob die Anwohner von Mobilfunksendeanlagen einem erhöhten
Risiko für Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren ausgesetzt sind.

Datengrundlage waren PC-gespeicherte und mit den Krankenkassen abgerechnete Patientenunterlagen

der Jahre 1994 bis 2004. In die ohne Fremdmittel erstellte Studie wurden Angaben von Knapp 1000 Patienten
unter Wahrung des Datenschutzes aufgenommen. Die Fortführung in Form eines Registers ist geplant. Als Ergebnis zeigte sich, das der Anteil von neu aufgetretenen Krebsfällen bei den Patienten, die während der letzten 10 Jahre in einem Abstand von 400 Meter um die seit 1993 betriebene Mobilfunksendeanlage gewohnt hatten, gegenüber
weiter entfernt lebenden Patienten signifikant höher und die Patienten waren in durchschnittlich 8 Jahre jüngerem alter
erkrankt.

Für die Jahre 1999-2004 also nach 5 Jahren Betriebszeit des Senders- hatte sich das relative Risiko an Krebs neu zu
erkranken, für die näher an der Sendestation lebende Bevölkerung im Vergleich zu der Gruppe im Nailaer Außenbereich verdreifacht.

Das Konzept unserer Pilotstudie ist einfach und kann jederzeit an all den Orten wiederholt werden, die Jahrelang relativ
isoliert von einer Sendeanlage bestrahlt wurden.

Wir vertrauen auf die Handlungsfähigkeit der Behörden mit Hilfe großer epidemiologischer Studien - nicht nur in Naila - das Risiko für die Gesamtbevölkerung sicher abzuschätzen.

_______________________________________________________


Stadtratsbeschluss auf Grund der Nailaer Studie

Der Stadtrat Naila hat in seiner Sitzung am 08.06.2004 beschlossen, eine Petition an den Deutschen Bundestag zu richten mit dem Ziel, eine Absenkung der Grenzwerte für Mobilfunkanlagen zu erreichen.

Weiterhin wurde beschlossen:

1.Der Stadtrat beschließt, aus den Gründen, die sich aus den Ausführungen von Dr.
Eger ergeben haben, wegen schwer wiegender gesundheitlicher Bedenken seinen Beschluss vom 29.03.2004 zur Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens aufzuheben und statt dessen das gemeindliche Einvernehmen zum Bauantrag der Firma Vodafone zu verweigern.

2.Der Stadtrat beschließt, sich mit den Bedenken der Bürgerinitiative zu solidarisieren.

3.Der Stadtrat beschließt, die am 29.03.23004 verabschiedete Eingabe zur drastischen
Senkung der Grenzwerte an die Abgeordneten und die zuständigen Stellen weiterzuleiten, wobei die Stellungnahme der Bürgerinitiative mit den erbrachten Unterschriften ebenso wie das Ergebnis der Ärztestudie der Eingabe als Anlage beigefügt werden soll.

4.Die Studie der Nailaer Ärztegruppe soll laut Auskunft der Ärztegruppe zunächst
noch mit dem Zentrum für Umweltforschung und Umwelttechnologie an der Universität Bremen, Herrn Prof. Dr. Frentzel-Beyme, abgestimmt werden. Sobald der abgestimmte Bericht vorliegt, wird der Stadtrat über die weitergehende Vorgehensweise beraten und der Bericht in einer öffentlichen Veranstaltung durch die Bürgerinitiative in Zusammenarbeit mit der Stadt Naila vorgestellt.
______________________________________________________

http://www.naila.de
______________________________________________________

4. Aufarbeitung

Einige BI's haben die Ergebnisse der Naila-Studie in ihrer Oeffenlichkeitsarbeit bereits aufgegriffen. Ein grosses Problem besteht, wenn die > 400 Meter Entfernung im Sinne einer schwarz-weiss Betrachtung als sichere Zone angesehen wird. Immerhin steht auf dem Gebaeude in Naila nur ein D2-Sender. Wenn weitere Sender hinzukommen, kann der Abstand von 400 m nicht mehr ausreichend sein. Im Zweifelsfall ist eine HF-Messung immer richtig, ansonsten kann das Gefahrenpotential ueberhaupt nicht (richtig) eingeschaetzt werden. (Joachim Weise)
---
Sehr richtig!
Denn 400 m sagt nichts über die wirkliche Belastung mit EMF der GSM-Stationen aus! Ich kenne messtechnisch Situationen, da habe ich in 150 m Entfernung zum Sender weniger Belastung als in 1 km!
Und dies ist nicht die Ausnahme, sondern fast die Regel... je nach Antennenart und Topografie. (Bernd Schreiner)
---



 

    
© Mobilfunk-Bürgerforum – E-Mail an uns nach oben