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  Quellen:    BI Esslingen   
  Adresse:    Martin-Bott@web.de  
  Datum:    07.04.2002  
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aktualisiert: 07.04.02

 
     
 

Keine Handysender am Mutzenreiswald

 
   
 


Bürgerinitiative erzielt erste Erfolge

Berichte in der Presse Anfang letzten Jahres, nach denen am Mutzenreiswald ein Richtfunkturm entstehen soll, sowie die kurz darauf anrückenden Messtechniker mit Kranwagen machten einige Anwohner hellhörig. Nachfragen bei Gemeinderäten ergab, dass sie davon nichts wussten.

 

Kurz darauf trafen sich besorgte Bürger aus der Parksiedlung und dem Zollberg zu einer Info-Veranstaltung mit Unterstützung des Mobilfunk Bürgerforums. Sehr schnell zeigte sich, wie hochkomplex das Thema Mobilfunk tatsächlich ist. Es gab jede Menge Fragen zu klären und Aufgaben anzupacken. „Durch die beharrliche Arbeit der Anwohner und ihrer Aktivitäten haben wir inzwischen erste Erfolge erzielt“, berichten Angela Fahrion und Martin Bott, Sprecher der Initiative. Am 10. März sammelten sie mit einem Info-Stand am Sendemast in wenigen Stunden über 200 Unterschriften und haben sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten.

 

„Wir sehen uns in unserem Vorwurf der Geheimdiplomatie an die Adresse der Betreiber gerichtet bestätigt: Während beim Grundstückseigentümer die Verträge für Handysender unterschriftsreif auf dem Tisch liegen, wurde die Stadt Ostfildern der Ahnungslosigkeit überlassen.“ Doch dieses Spiel wurde durch die sehr sachliche Öffentlichkeitsarbeit der Initiative durchkreuzt! Der Eigentümer zeigt inzwischen grosses Verständnis für die Sorgen der Anwohner und hat versichert, keine Sektorenantennen auf seinem Grundstück zu zulassen. Auch Bürgermeister Fahrlaender bestätigte am 28.03., dass keine Mobilfunkanlagen genehmigt sind und die Betreiber den Verzicht hierauf zugesagt hätten.

 

„Dieses Ergebnis ist für uns sehr ermutigend, andererseits besteht kein Grund zur Entwarnung. Das Hase und Igel-Spiel geht jetzt in die zweite Runde. Wir halten nichts vom Sankt-Floriansprinzip. Wir brauchen eine Gesamtlösung, um die Strahlenbelastung für alle auf ein akzeptables Minimum zu senken“, erklären die Sprecher der Initiative. Doch zu einem Gesamtkonzept, erarbeitet von unabhängigen Experten, konnten sich die Gemeinderäte Esslingens und Ostfilderns mit Ausnahme der Grünen noch nicht durchringen. Immerhin hat sich der Gemeinderat in Esslingen eine Denkpause verordnet und Anträge für neue Sender erstmal auf Eis gelegt.

 

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, hat sich inzwischen sehr deutlich für eine Minimierung der Strahlenbelastung im Sinne des Vorsorgeprinzips ausgesprochen und warnt: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollten möglichst gar nicht mit dem Handy telefonieren. „Der Schutz der Gesundheit der Menschen, die den Mobilfunk selbst nutzen, aber auch derjenigen, die in der Nähe von Sendeanlagen wohnen, muss sichergestellt sein. ... Die nüchterne Bewertung des Erkenntnisstandes zeigt, dass wissenschaftliche Hinweise auf mögliche Risiken tatsächlich bestehen. Ein "Nicht-Sehen-Wollen" bzw. das "Wegdiskutieren" dieser Erkenntnisse mag kurzfristig vielleicht helfen - langfristig wird es nicht zur Akzeptanz der technischen Infrastruktur beitragen.“

 

„Das bestätigt unser Anliegen“, erklärt Angela Fahrion. „Das Entstehen von vier Initiativen allein in Esslingen in relativ kurzer Zeit sollte die Stadtväter nachdenklich stimmen, anstatt sich hinter Grenzwerten zu verstecken. Bundesweit gibt es über 11.000 Initiativen und mit jeder Mobilfunkanlage werden es mehr. Leider ist bisher von Betreiberseite wenig Bereitschaft zur Kooperation erkennbar. Solange in Grenzwertkommissionen der Einfluss der Industrie dominiert wird keine Vertrauensbasis zu schaffen sein. Wird die bisherige Praxis beibehalten werden wir Betroffenen die Teilnahme an der „Aktion Blutbilduntersuchung“ empfehlen. Wir möchten alle ermutigen, sich frühzeitig zu informieren und aktiv zu werden. Wer wartet bis die Antenne aufs Dach geschraubt wird hat kaum noch Chancen Einfluss zu nehmen  -  wer spielt schon gerne unfreiwillig Versuchskaninchen.“

 

Info-Veranstaltung „Grenzwerte schützen uns nicht“: 24.04. 19 Uhr im Foyer der Zollberg-Realschule, mit Vortrag von Dr. Matthes Haug (Tübingen), Physiker mit Fachgebiet Wirkung elektromagnetischer Felder auf biologische Systeme.
 
     
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